Es gibt Tage und Momente, wo ich nicht verstehen kann, was mit mir los ist, was in meinem Inneren geschieht, wieso ich Dinge empfinde, die ich nicht erklären kann. Es ist schrecklich, morgens aufzuwachen und sobald man sich darüber im Klaren ist, dass nun schon wieder ein neuer Tag begonnen hat, in Tränen ausbricht, am liebsten sich vor der Sonne unter der Decke verstecken, die Welt nicht sehen möchte. Man fühlt sich alleine und einsam, von der ganzen Welt vergessen und verlassen und doch wünscht man sich so sehr einen Menschen, der versteht, was in einem vorgeht, der einen in den Arm nimmt und tröstet. Einfach jemanden, der da ist. Nur da ist, ohne zu fordern und zu erwarten, vor dem man sich nicht zusammenreissen muss, wo man so sein kann, wie man sich nun einmal fühlt. Es ist schrecklich, gerade diesen Menschen immer noch in einem Menschen zu suchen, der - scheinbar - für immer aus dem eigenen Leben verschwunden, definitiv nicht für einen dasein wird. Zu der Trauer, der Wut über die eigene Situation, der Zweiflung und der Einsamkeit kommt ein riesengrosser Verlust hinzu; er frisst sich wie Säure in das ohnehin verwundete Herz, nistet sich ein und scheint für alle Ewigkeit dort zu bleiben. Man wäre bereit, alles zu tun, alles zu lassen, würde nur dieses schreckliche Loch wieder gefüllt, der geliebte Mensch zurückkehren. Doch das wird er nicht - war er doch noch gar nie wirklich in dem eigenen Leben vorhanden, sondern nur in Form einer Projektion aus Wahrnehmungen, Wünschen und Erinnerungen. Romy würde nie mehr in meinem Leben sein wie sie es bis einst gewesen war. Doch bedeutete dies der endgültige Abschied? Würde sie ganz verschwinden, wenn ich mich von den Illusionen ihrer Person trennte? Gab es nicht den kleinsten Hauch von Hoffnung, irgendwann den Draht, den Weg zu ihr zurückzufinden, diesen aufrichtig und mutig gehen zu können? Ich war wütend über meine Therapeutin, die mir sagte, Romy würde nie mehr in mein Leben zurückkehren. Ich war wütend über mich selbst, Romy aus meinem Leben vertrieben zu haben. Und schlussendlich wütend über Romy, mich verlassen zu haben.
Doch vielleicht mass ich diesem Verlust auch eine zu grosse Gewichtung zu. War es mir jemals überhaupt gut gegangen? War ich nicht jene gewesen, die vor einem Jahr, bevor ich Romy noch gekannt hatte, auch mit einer Medikamentenvergiftung in das Spital eingewiesen wurde? Wie gross war hier der tatsächliche Einfluss meines Verlustes? Projizierte ich nicht auch hier mein ganzes Elend auf mein Verlassensein durch Romy? Vielleicht, weil ich mir immer noch einredete, die ganze Situation mit ihr besser zu ertragen, von ihr getröstet zu werden, hätte sie mich bloss nicht verlassen.
Ich schrieb heute meinen ersten Eintrag in meine "Anleitung zum Laufen lernen" - eine Anleitung, auf eigenen Beinen zurück ins Leben zu finden. Wieso habe ich bloss den Eindruck, diese ganze Arbeit, alle Überlegungen und das Aushalten meiner schlimmsten Zustände ohne meine Therapeutin machen zu müssen? Wieso fühle ich von ihr weder Unterstützung noch Rückhalt? Es gibt Momente, wo ich an dem Sinn dieser Therapie zweifle... Alle guten Dinge und Überlegungen scheinen entweder von mir selbst oder von der Therapie bei Romy zu kommen. Oder idealisiere ich auch hier Romy in ihrer Therapeuten-Rolle?
Wieso habe ich so viele Fragen und keine einzige Antwort? Wenigstens weiss ich etwas: Ich muss jetzt schlafen gehen, weil ich nach meinem exakten Tagesstruktur-Plan für morgen den Wecker stellen muss.
Sonntag, 1. März 2009
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